Dezember 2025: Südfriedhof
Über drei Dinge können wir uns mit dem heutigen Birding-Treff freuen: zuerst einmal feiern wir unser 2-jähriges Bestehen! 🥳 Und dann haben wir bei der Teilnehmenden-Anzahl dieses Treffens einen Rekord geknackt, den wir so schnell wahrscheinlich nicht mehr einholen werden: 45 Menschen sind zum Birden gekommen, sagenhaft! Und als wären damit noch nicht genügend Superlative aufgestellt, ist dadurch unsere WhatsApp-Gruppe heute zur größten Gruppe des NABU Leipzig angewachsen. Über den Verlauf von mittlerweile 26 Treffen hat sich bei uns eine wirklich tolle Community von Gleichgesinnten zusammengefunden – schön, dass ihr alle hier seid!
Es ist kalt und es ist Winter, aber vermutlich ist der heutige Birding-Treff von den Temperaturen her der mildeste Dezember-Termin, den wir seit Bestehen unserer Veranstaltungsreihe abgehalten haben. Unsere große Gruppe setzt sich motiviert in Bewegung, doch an der Futterstelle, wo kurz zuvor eine Teilnehmerin Futter ausgestreut hatte, ist gerade gar nichts los. Es dauert eine ganze Weile, bis sich endlich der erste Vogel des Treffens stimmlich bemerkbar macht: eine Amsel, und sie wird mit großer Freude und auch ein bisschen Erleichterung von uns begrüßt.

Von da an geht es aufwärts, denn ein Kleiber und ein Rotkehlchen lassen sich für ein paar Minuten gut beobachten. Einige Vögel wie Grünspecht, Zaunkönig und Buntspecht sind in der Umgebung zu vernehmen – und dann kommt eine Stimme dazu, zu der wir auch den Vogel im Baum entdecken: ein Kernbeißer! Er thront für einen Moment in der lichten Baumkrone, bevor er mit einem tickenden Ruf davonfliegt. Das wird heute nicht unser letzter Kernbeißer sein!

Kurze Zeit später entdecken wir ein Nest, das wohl in dieser Brutsaison angelegt wurde. Es sieht schon etwas mitgenommen aus, ist durch die ringsum heruntergeschnittenen Sträucher aber gut zu erkennen. Wir rätseln, ob es das Nest eines Rotkehlchens oder einer Grasmücke gewesen sein könnte, aber das lässt sich für uns leider nicht mehr genauer bestimmen.

Wir gelangen in einen Teil des Friedhofs, wo sich anscheinend alle restlichen Vögel vor uns versteckt haben! Plötzlich überfliegen uns lebhaft rufende Stieglitze, ein Erlenzeisig turnt in einem Nadelbaum, und Kleiber und Meisen rufen, als müssten sie dringend demonstrieren, wer lauter schimpfen kann. Aus nächster Nähe können wir einen Baumläufer auf einem moosbewachsenen Stamm beobachten, der sich nichts aus uns aufgeregten Birder*innen zu machen scheint. Wir können ihn später auf Fotos aufgrund des hellen Überaugenstreifs, des hellen Bauchs, der langen Hinterzehenkralle und der leicht unregelmäßig gestuften Partie auf den Handschwingen als Waldbaumläufer bestimmen.

Ein kleines Stück weiter entdecken wir neben dem Horst vom Habicht mehrere Rotdrosseln. Auch Amseln und Buchfinken fliegen in den gleichen Baum, und obwohl die Vögel gerade alle ziemlich lebhaft und mobil sind, können wir sie ausgiebig beobachten.
Wir gehen weiter, damit es uns nicht zu kalt wird. Am Fuße eines Stammes sehen wir gleich zwei Gartenbaumläufer (kürzere Hinterzehenkralle, nicht so kräftig weißer Überaugenstreif), von denen einer beginnt, am Boden nach Nahrung zu suchen. Das ist insofern spannend, weil man Baumläufer sonst eigentlich nur an der Baumrinde suchend antrifft. Sie fliegen zwar gerne Bäume in Bodennähe an, bewegen sich dann aber den Stamm aufwärts entlang. Dieser Gartenbaumläufer hopst allerdings auf den Rasen, dreht Blätter um und stochert sogar ein bisschen im Boden herum. Und das finden wir ziemlich cool!

Nur wenige Meter weiter fällt uns das hohe Fiepsen von Goldhähnchen auf, die uns zuvor schon an mehreren Stellen begleitet haben. Leider konnten wir da noch nicht die kleinsten Vögel Deutschlands in den Baumkronen entdecken, doch jetzt hüpfen einzelne Minis in unserer Sichtweite herum. Unser Ehrgeiz ist geweckt, die kleinen Vögelchen auf Artniveau zu bestimmen, und so wird konzentriert und erwartungsvoll durch Fernglas und Kamera geschaut. Nach einigem Warten auf den richtigen Moment können wir dunkle Knopfaugen in einem hellen Gesichtchen erblicken – sie gehören zu einem Wintergoldhähnchen, die immer besonders niedlich wirken. Und kurz darauf ist die Freude groß, als sich auch ein Sommergoldhähnchen die Ehre gibt – mit seiner maskenartigen Zeichnung im Gesicht wirkt es etwas verwegener, aber nicht weniger knuffig.

Wir machen uns nach gut 3 Stunden auf den Rückweg zum Ausgang, doch eine kleine Überraschung hält der Südfriedhof noch für uns bereit: eine größere Gruppe von sieben Kernbeißern macht eine Pause in einer Birke, an deren Samen auch geknabbert wird. Für einige von uns sind die Kernbeißer übrigens Lifer – also eine Vogelart, die man zum ersten Mal im Leben sieht –, und dann gleich noch so viele auf ein Mal! Wir freuen uns, dass wir diese Art heute so schön beobachten konnten.

Nach fast vier Stunden kommt unsere mittlerweile geschrumpfte Gruppe am Ausgang an, denn nicht alle Teilnehmenden konnten wegen der Temperaturen oder wegen Anschlussterminen so lange bleiben. Aber für eine Veranstaltung im Dezember ist es sehr beachtlich, dass ein Drittel der Gruppe so lange der Kälte getrotzt hat! Und das hat sich auch insofern gelohnt, als dass wir heute mehr Arten gesehen haben als an den vorigen zwei Dezember-Terminen, die ebenfalls auf dem Südfriedhof stattfanden. Ein schöner Abschluss für dieses Birding-(Treff-)Jahr!
Artenliste
- hybrid Rabenkrähe
- Großmöwe, unbestimmt

























