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Ein Bericht von Julius Hennig

Januar 2026: Werbeliner See

Samstag, 24. Januar 2026
Werbeliner See

Ein Birding-Treff am vierten Samstag eines Monats? Es passieren außergewöhnliche Dinge und es stimmt: manchmal reicht ein Birding-Treff im Monat einfach nicht aus. So auch im Januar 2026, im tiefsten Winter, wenn zahlreiche nordische Gäste in unseren “warmen” Gefilden überwintern. À propos “warm”: ursprünglich war der Besuch des Werbeliner Sees für den 10. Januar geplant, aber da war alles zugefroren, inklusive der Wege. Aber Alex, einer der drei Mitarbeiter*innen im Naturschutzgebiet Werbeliner See, konnte selbst einen zwei Wochen späteren, für uns exklusiven Termin möglich machen. Mit diesem Termin wird jedenfalls ein neuer Rekord aufgestellt: das ist der bisher am weitesten entfernte Birding-Treff. Aber bei dem Organisationsgrad ist das kein Problem und kein Hindernis: um 08:30 Uhr finden sich 29 Birder*innen auf der Ostseite des Werbeliner Sees ein.

Alex erzählt uns zum Einstieg kurz etwas über die Geschichte und all die Besonderheiten des Werbeliner Sees. Insbesondere die zahlreichen Inseln und strukturreichen Bereiche durch die verbliebenen Schüttrippen sind absolut faszinierend, und auch auf Satellitenbildern von Kartenanwendungen zu sehen. Für viele Tierarten tolle und einzigartige Lebensbedingungen.

Ganz neugierig setzt sich die Gruppe in Bewegung, angeheizt von einer Amsel und zwei Eichelhähern, die lautstark auf sich aufmerksam machen. Dann endlich öffnet sich der Blick auf den Werbeliner See. Wir haben Glück: der See ist nicht komplett zugefroren und an einigen offenen Stellen tummeln sich zahlreiche Wasservögel. Allerdings sind diese offenen Wasserstellen so weit weg, dass sie selbst mit Ferngläsern schwer zu beobachten sind. An der Stelle wird ein zweiter Rekord dieses Birding-Treffs relevant:​ noch nie wurden so viele Spektive mitgebracht. Damit werden selbst diese Distanzen problemlos überbrückt und alle Teilnehmenden können genüssliche Blicke auf die großen Zahlen diverser Wasservögel werfen.​

Uns entgeht nichts. Rekordzahl an Spektiven.
© Klaus-ThomasUns entgeht nichts. Rekordzahl an Spektiven.

Buntes Treiben der Tundrasaatgänse auf einem Acker am Werbeliner See.
© Klaus-ThomasBuntes Treiben der Tundrasaatgänse auf einem Acker am Werbeliner See.

Bemerkenswert ist an dieser Stelle auch der technische Service, den Fabian und Mai auffahren: mit dem Smartphone wird das Bild durch das Spektiv auf ein Tablet übertragen, das seitlich an den Stativbeinen angebracht ist. Dadurch gab es eine Live-Übertragung mit Live-Kommentar, der insbesondere bei den Neulingen super ankam. Und so entging wirklich niemandem die vielen verschiedenen Wasservogelarten wie Reiher-, Tafel- und Schellente, Gänse- und Zwergsäger sowie Hauben- und Zwergtaucher. In ihrer Anzahl und Dichte, bedingt durch die flächendeckende Eisschicht und wenige freie Wasserlöcher, waren die vielen Vögel ein wahrer Augenschmaus!

The future is now! “Public Viewing” beim Birding-Treff.
© Klaus-ThomasThe future is now! “Public Viewing” beim Birding-Treff.

Neben den vielen Wasservögeln gab es zahlreiche weitere Highlights, insbesondere die drei Seeadler, die auf den Inseln und dem Eis saßen, sorgten für viel Aufregung. Aber auch die Wacholderdrosseln meldeten sich immer wieder “zu Zwitsch” und zeigten sich von ihrer Schokoladenseite, was zusätzlich zum mitgebrachten Proviant, den Heißgetränken, Wärmflaschen und Handwärmern unsere Herzen erwärmte.

Eine wachsame Wacholderdrossel wacht über uns.
© Klaus-ThomasEine wachsame Wacholderdrossel wacht über uns.

Nachdem wir uns an den Wasservögeln (vorübergehend!) sattgesehen haben, entschied sich ein beträchtlicher Teil der Gruppe dazu, noch weiter in der Kälte auszuharren und die Gänse auf den Feldern zu beobachten. Neben den häufigen Wintergästen wie Bläss- und Tundrasaatgans tauchen dazwischen auch gerne mal Seltenheiten wie die Kurzschnabelgans auf. Doch so sehr wir uns auch bemüht haben, eine unter all den verschiedenen Gänsen ausfindig zu machen, dieses Mal hatten wir leider kein Glück. Dafür waren zwei Weißwangengänse in dem Trupp, für unsere Gegend eine tolle und nicht häufige Beobachtung.

Die Birder*innen im Gänsemarsch und die Gänse in Gänse-Formation.
© Leni Lorica-AyyangarDie Birder*innen im Gänsemarsch und die Gänse in Gänse-Formation.

Wunderschöne Tundrasaatgänse fliegen über uns hinweg.
© Klaus-ThomasWunderschöne Tundrasaatgänse fliegen über uns hinweg.

Artenliste

  1. Amsel (Turdus merula)
    1
  2. Eichelhäher (Garrulus glandarius)
    2
  3. Rabenkrähe (Corvus corone)
    ≥2
  4. Blaumeise (Cyanistes caeruleus)
    1
  5. Höckerschwan (Cygnus olor)
    ≥4
  6. Blässhuhn (Fulica atra)
    ≥300
  7. Tafelente (Aythya ferina)
    ≥200
  8. Silberreiher (Ardea alba)
    1
  9. Zwergsäger (Mergellus albellus)
    ≥6
  10. Zwergtaucher (Tachybaptus ruficollis)
    ≥1
  11. Schellente (Bucephala clangula)
    ≥3
  12. Reiherente (Aythya fuligula)
    ≥25
  13. Seeadler (Haliaeetus albicilla)
    3
  14. Wacholderdrossel (Turdus pilaris)
    ≥1
  15. Kolbenente (Netta rufina)
    ≥4
  16. Haubentaucher (Podiceps cristatus)
    ≥9
  17. Pfeifente (Mareca penelope)
    ≥1
  18. Stockente (Anas platyrhynchos)
    ≥30
  19. Gänsesäger (Mergus merganser)
    1
  20. Kormoran (Phalacrocorax carbo)
    ≥7
  21. Kolkrabe (Corvus corax)
    1
  22. Blässgans (Anser albifrons)
    ≥6
  23. Steppenmöwe (Larus cachinnans)
    ≥3
  24. Großmöwe, unbestimmt ≥1
  25. Schnatterente (Mareca strepera)
    ≥3
  26. Zaunkönig (Troglodytes troglodytes)
    1
  27. Mäusebussard (Buteo buteo)
    1
  28. Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)
    ~15
  29. Weißwangengans (Branta leucopsis)
    ≥2
  30. Tundrasaatgans (Anser serrirostris)
    ≥250
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