Juni 2026: Waldarboretum und Landschaftsschutzgebiet Lößnig-Dölitz
Wir treffen uns an einem sonnigen Samstagmorgen im Waldarboretum beim Südfriedhof. Es zeichnete sich bereits ab, dass sehr viele und auch sehr viele neue Leute diesen Birding-Treff besuchen werden. Das ist schön und mit Sicherheit auch der zunehmenden medialen Präsenz von Birding als Freizeitaktivität zu verdanken. Naturbeobachtung wird immer beliebter und es bleibt zu hoffen, dass damit auch das Interesse an Naturschutz wächst. Wir arbeiten daran 😀
Um die Tiere nicht all zu sehr zu stören und für jede "bird-curious person" ein paar gute Beobachtungen zu ermöglichen, teilen wir die ziemlich große Gruppe von 55 Vogelinteressierten in zwei "kleinere" Gruppen auf und machen uns auf den Weg. Die erste halbe Stunde spazieren wir auf verschlungenen Pfaden durch den dichten Wald des Arboretums und lauschen achtsam den Gesängen der Vögel. Zahlreiche Rotkehlchen zeigen uns durch singen ihre Reviere an und immer wieder hören wir die quäkenden Bettelrufe von Meisenkindern, die mit ihren Eltern die Umgebung erkunden. Am Ende des Weges angekommen, fragen wir uns, ob unterwegs jemand verloren gegangen ist? Das ist zum Glück nicht der Fall und wir bauen das erste Mal die Spektive auf.

Auf den frisch gemähten Wiesen halten allerlei Greifvögel nach Beute Ausschau. Besonders die Rotmilane erlauben uns ein paar wunderschöne Aufnahmen. Der intensive Geruch von Waldmeister, der mitunter aus dem nahe gelegenen Wäldchen hinüberweht, und ein anmutig flötender Pirol, machen das multimodale Erlebnis komplett.

Wenig später erspähen wir einen Schwarzmilan, den man anhand des dunkleren Gefieders und weniger tief gegabelten Schwanzes vom Rotmilan unterscheiden kann. Und als ob die beiden uns gehört hätten, fliegen sie kurz darauf nebeneinander über unsere Köpfe hinweg, sodass wir auch ihre “Finger”, also ihre Handschwingen, zählen können. So lassen sich die Unterscheidungsmerkmale natürlich am besten studieren. 🔭


Helle Aufregung bricht aus, als jemand meint, einen Wanderfalken am Himmel gesehen zu haben. Die Gruppe prüft das sofort gewissenhaft und kommt letztlich aufgrund des beobachteten Rüttelfluges und der Musterung und Färbung der Schwanzfedern zu dem Schluss: Turmfalke. Aber hätte ja sein können 😀
Wir bemerken den Gesang eines Gelbspötters, beobachten ein paar Rauchschwalben bei der Gefiederpflege, belauschen eine junge Mönchsgrasmücke im Gebüsch und sind schließlich am Silbersee angekommen, als uns mehrere Dutzend Graugänse umringen. Diese haben in etwa so viel Scheu vorm Menschen wie die Haussperlinge in der Leipziger Innenstadt. Eigentlich kein Wunder bei der Dichte an Spaziergänger*innen in diesem Teil des Parks.


Eine der Graugänse erregt besonders unsere Aufmerksamkeit, denn sie sieht anders aus als ihre Artgenossen: sie hat weiße Federn auf ihrer Brust, die wie ein breites Band aussehen. Bei genauerem Hinsehen können wir sogar erkennen, dass sie einen schmalen weißen Streifen aus Federn um die Augen trägt und dass ihre Augen graublau sind. Wahrscheinlich ist diese Gans leuzistisch, was bedeutet, dass die weißen Federn daher rühren, dass die Haut an diesen Stellen kein Melanin produzieren kann.

Und dann schwimmt noch eine Ente vorbei, deren rätselhafte Erscheinung wir nicht wirklich lösen können. Erst halten wir sie für eine diesjährige Stockente, die leicht anders gefärbt wäre als die adulten Tiere. Doch als wir sie neben den Gänsen und Stockenten sehen, wird schnell klar, dass das nicht sein kann, denn sie ist viel größer als die Enten. Auch noch ein paar Tage später überlegen wir hin und her, kommen aber zu keinem eindeutigen Schluss. Was uns am wahrscheinlichsten erscheint: sie wird wohl eine Hybrid-Ente sein und ein Elternteil gehört zu einer deutlich größeren Entenart. Ob dieser Elternteil eine Laufente, eine Spießente oder eine Mularde ist, vermögen wir allerdings nicht zu sagen.

So langsam begeben wir uns auf den Rückweg, aber nicht, ohne nochmals an der gemähten Wiese stehenzubleiben: Denn die Milane und Mäusebussarde kreisen darüber, auf der Suche nach möglicher Beute. Ein Rotmilan zieht immer wieder dicht seine Kreise über unseren Köpfen, offensichtlich neugierig, was wir unsererseits so interessant finden. Und zum Schluss zeigt sich noch eine große Möwe, aber nicht wie sonst die übliche “Großmöwe unbestimmt” – nein, nein! Dieser Birding-Treff endet nicht wie jeder andere, denn dieses Mal wissen wir: wir haben eine Silbermöwe gesehen 🤓

Artenliste
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