Juli 2026: Südfriedhof
Die Bedingungen sind angenehm, vielleicht ist es fast eher ein wenig kühl an diesem morgendlichen ersten Samstag im Juli. Wir treffen uns am Osttor des Südfriedhofs, der kürzlich 140 Jahre alt geworden ist. Wir, das heißt in diesem Fall: etwas weniger Leute als bei den Rekorden, die da zuletzt aufgestellt wurden. Der Südfriedhof, für den Birdingtreff traditionell ein Anlaufpunkt im Dezember, wird also jetzt auch mal zur Mitte des Jahres besucht. Während einzelne Vogelbegeisterte noch eintreffen, schauen wir uns schon mal um und werden mit den ersten Sichtungen belohnt. Ein Buchfink lässt sich unweit von uns nieder und singt ganz ungestört und auch ein Hausrotschwanz hüpft und flattert ganz in unserer Nähe.

Gerade als wir dann losgehen wollen, nimmt der besagte Hausrotschwanz noch mal prominent vor uns Platz auf einem Poller. Kurz darauf kann es aber richtig losgehen und wir steuern eine Futterstelle an. Dort hüpft ein Eichelhäher in einer Baumkrone herum; dazu kommen erneut mehrere Buchfinken, die ihr Lied zum Besten geben. Und wir bekommen einen Buntspecht zu sehen, der auf ziemlich dünnen Zweigen unterwegs ist. Zwischen Rhododendron und Kiefer erspäht eine Person einen gut versteckten Grauschnäpper. (Um gleich vorzugreifen: Es sollte heute nicht die letzte Grauschnäpper-Sichtung sein!)

Um nicht ganz so früh schon an einem Ort kleben zu bleiben, bewegen wir uns weiter. Nach mehreren kurzen Stopps kehren wir auf einen Hauptweg zurück, wo plötzlich ein tieffliegender Mäusebussard zwischen den Bäumen durchzischt. Huch! Die Gruppe bewegt sich weiter, auch wenn wir bereits gut versprengt sind, und da zeigt sich ein weiteres Mal ein Grauschnäpper. Zu hören ist dann auch kurz eine Haubenmeise – ob wir die wohl heute auch noch sehen dürfen?
Die Frage legen wir zunächst beiseite, es gibt ja genügend zu sehen. Etwa die Heckenbraunelle, die wir kurz ganz oben auf der Spitze eines Nadelbaums thronen sehen und singen hören. Und wir freuen uns auch sehr an einem jungen Gartenrotschwanz, den wir zunächst weiter entfernt durch die Ferngläser beobachten und der kurz darauf, als wir ein Stück weiter gehen, direkt neben uns im Gebüsch landet. Abseits der gefiederten Tiere wandert unsere Aufmerksamkeit zwischendurch auf den Boden: Ein Feldhase weiß den Südfriedhof ebenso zu schätzen und hoppelt langsam vor uns über den Weg.

Eine geduldige Libelle am Wegesrand schafft es schließlich, unsere Gruppe einmal kurz ganz zu trennen, bevor wir uns wieder sammeln. Auf den Spuren einer Singdrossel verlassen wir uns auf unsere Ohren, ihre Singwarte finden wir dann um die Ecke. Sie hat es sich in einer Birke bequem gemacht und wir hören ihren vielen verschiedenen Liedern gern eine Weile zu, obwohl sie uns hauptsächlich ihr Hinterteil zeigt.
Aber schon wieder gibt es etwas Neues zu sehen: Ein kurzes Raunen geht durch unsere Gruppe, als mehrere Rabenkrähen im Streit mit einem Mäusebussard vorbeischießen. Auch ein flinkes Eichhörnchen huscht dort noch vorbei und wir beobachten drei Stieglitze, die sich zuerst durch ihr typisches Zwitschern verraten haben. Wir machen uns wieder auf und beobachten aus der Ferne einen Gartenrotschwanz an einem Gießbrunnen. Ganz in der Nähe hockt wieder ein Eichelhäher, er scheint sich kaum an uns zu stören. Er befindet sich in der Mauser und ist dementsprechend zerzaust, passend zum kahlen Baum am Wegesrand, in dem wir ihn super beobachten können.

Wir biegen wieder auf den Hauptweg ab, aber nicht ohne uns nochmal dem Boden zu widmen. Wessen Kot ist das hier denn? Kurzerhand befragen wir die Bilderkennung mit „künstlicher Intelligenz“ – wahrscheinlich Marder oder Dachs. Sicher können das aber wohl nur Spezialist*innen sagen! Wir sind schon fast zwei Stunden unterwegs, als wir auf sehr kleine Singvögel aufmerksam werden. Welche Goldhähnchen sind es dieses Mal? Es sind Sommergoldhähnchen. Auch die Haubenmeise meldet sich nochmal! (Dieses Mal sind wir uns sicher, auch wenn wir sie nicht zu Gesicht bekommen.) Ebenso kurz nur zu hören: ein Pirol (ist ja mal wieder typisch!).
Aber auch visuell sind wir weiter aufmerksam: Das ist doch ein Weißstorch im Überflug! Unten auf dem Gras lässt sich eine weitere Singdrossel geduldig von vielen Fotokameras ablichten. Was uns heute auf dem Friedhof ständig begleitet, sind die rot-weißen Flatterbänder, die vor dem Eichenprozessionsspinner warnen sollen. Auf einem Baum bekommen einige von uns die berühmt-berüchtigten Raupen zum ersten Mal aus nächster Nähe zu sehen – ironischerweise direkt auf einem Warnhinweis. Wir kommen zum Teich vor der Kapelle des Südfriedhofs. In ihrem Turm befinden sich Nistkästen, jedoch scheint heute niemand zu Hause zu sein. Das Läuten um halb elf erschreckt uns kurz, so leise ist es – wir gehen dann mal weiter.
Kurze Zeit später steuern wir auf ein weiteres Highlight zu, als wir ein illustres Trio entdecken: Wieder sind es Grauschnäpper! Ein älteres Tier füttert zwei Junge, die immer wieder bettelnde Rufe von sich geben. Wir beobachten das Ganze eine Weile und versuchen Fotos von den knuffigen Jungvögeln zu schießen. (Mit Erfolg!)


Spätestens bei unserem nächsten Halt wird uns klar: Es scheint heute ein Birding-Treff mit vielen Beobachtungen aus der Familie der Fliegenschnäpper zu sein! Eine ganze Weile schauen wir uns nochmal Grauschnäpper sowie Gartenrotschwänze an.
Inzwischen erreicht unser Juli-Treffen schon fast die Vier-Stunden-Marke und die Gruppe dünnt sich etwas aus. Einiges gibt es dann aber doch noch zu erleben: Erneut hören wir einen Girlitz und sehen nochmal ein Reh mit seinem jungen Kitz. Langsam aber sicher neigt sich das Treffen dem Ende zu und wir begeben uns wieder Richtung Osttor. Nicht aber, ohne uns kurz die leblosen Hummeln auf dem Weg anzuschauen – es sind wahrscheinlich Erdhummeln. Nach über fünf Stunden voller Eindrücke erreichen wir gegen 12:30 wieder die Friedhofstore.
Artenliste
- Großmöwe, unbestimmt

































