August 2026: Ehemalige Deponie Böhlitz-Ehrenberg und Lachen an der Waldspitze
Bei diesigem Wetter und einer handfesten Regenvorhersage versammeln sich 31 wetterfeste Birder*innen am Fuße des Monte Böhlitz. Unter ihnen ist auch eine ganz kleine Person, die einen bisherigen Rekord von großer Bedeutung bricht: im zarten Alter von 5 Wochen überbietet das Birding-Baby den bisherigen Rekordhalter von 10 Wochen und ist somit die jüngste teilnehmende Person des Birding-Treffs! Was für ein Commitment! 👶🏼🥳

Die ersten Stieglitze und Neuntöter des Tages begleiten uns bei unserem Aufstieg, sie werden uns auf dem Plateau der ehemaligen Deponie immer wieder begegnen. Ein paar wenige Mauersegler kreisen über uns am grauen Himmel – noch sind ein paar letzte von ihnen bei uns. Oben ist leider die sonst mit Disteln und hohen Gräsern bestandene Fläche gemäht worden und mittlerweile schon wieder etwas aufgewachsen. Doch die tief fliegenden Rauchschwalben scheint es nicht zu stören. Auch die zahlreich vertretenen Goldammern, die uns ständig in kleinen Grüppchen überfliegen und damit zu so etwas wie dem Themenvogel des Tages werden, suchen emsig nach Nahrung im dichten Gras. 🌾
Wir haben von oben einen guten Blick auf die umliegenden Bäume und erspähen in einer hohen Birke einen auffällig gefärbten Vogel: ein sitzender Rotmilan! Wir können ihn einen Moment beobachten, bevor er abfliegt und Richtung Südwesten abzieht. Auch eine Rabenkrähe und eine Ringeltaube sitzen in scheinbarer Eintracht auf den Spitzen der Bäume. Wir sehen eine flinke Bewegung auf kahlen Ästen – ein sehr kleiner Vogel sucht entweder nach Nahrung oder hält Ausschau nach dieser. Doch welcher Vogel ist es? Obwohl recht merkmalslos – ein sogenannter KBV oder KGV, ein “kleiner brauner / grauer Vogel” 🤓 –, nähern wir uns durch Ausschlussverfahren an: Es ist kein Grauschnäpper, denn er ist nirgendwo gestrichelt und zeigt auch nicht dessen typisches Jagdverhalten im Flug von einer Ansitzwarte aus; und es ist auch kein Rotschwänzchen, denn der Schwanz ist genauso gefärbt wie der Rücken. Wir kommen zu dem Schluss, dass es ein Zilpzalp oder Fitis sein könnte. Später hören wir anderswo noch einen rufenden Zilpzalp, sodass wir uns zumindest sicher sein können, dass wir heute einem begegnet sind.

Weiter geht es Richtung Aussichtspunkt mit Blick auf die Lachen an der Waldspitze. Natürlich werden wir unterwegs aber von spannenden Vögeln aufgehalten: es fliegen immer mal wieder Pirole aus den Bäumen, wir entdecken ganz kurz eine heimliche Hohltaube durchs Spektiv, ein Sperber gleitet durch die Bäume, unsere treue Begleiterin Großmöwe unbestimmt zeigt sich am Horizont, und ein lustig aussehender Kormoran mit langem Schilfhalm im Schnabel und ausgestreckten Beinen trudelt in Richtung Gewässer an uns vorbei. Dann bleibt ein Teil von uns vor einer Wiese stehen, die mit jungen Gehölzen bewachsen ist und aus der wir regelmäßig ein hohes und repetitives Piepsen hören. Allmählich dämmert es Teilnehmenden, die vor zwei Jahren schon mal an exakt dieser Stelle das gleiche Geräusch vernommen haben: wir hören einen jungen bettelnden Wendehals! Wir können seinen Ruf sogar vergleichen mit den Videos, die wir damals von dem wenige Wochen alten Jungvogel machen konnten. Heute sichten wir keinen kleinen Flauschball, aber die Freude über die Entdeckung ist groß!

Unsere Gruppe macht Halt, um die Lachen mit Spektiv, Fernglas und Kamera nach Vögeln abzusuchen. Eine Familie Höckerschwäne mit fünf Kindern tummelt sich in Ufernähe und auch eine Gebirgsstelze zeigt sich für eine Weile – im Gegensatz zum Eisvogel, der nur einmal kurz durchs Bild schießt (man kennt’s 💨). Und während wir da so auf der Wiese stehen, abwechselnd das Gewässer oder den jagenden Turmfalken beobachtend, ruft plötzlich eine von uns: ein Habicht! Die ganze Gruppe gerät in Aufregung, alle Spektive werden hektisch neu ausgerichtet und die Kameras fokussieren auf den massiven Vogel, der seelenruhig in den kahlen Ästen eines Baumes thront. 🦅 Es stellt sich heraus, dass gar keine Eile nötig gewesen wäre, denn er ist wunderbar zu beobachten und putzt sich gemütlich das aufgeplüschte Gefieder. Wir können den imposanten Jäger über eine halbe Stunde studieren – niemand würde behaupten, dass es langweilig geworden wäre, aber auf jeden Fall haben wir den sonst so versteckt lebenden Vogel heute von einer ganz anderen Seite erleben dürfen.
Wir machen uns auf den Weg nach unten, um noch eine Runde entlang der Lachen am Wasser zu laufen. Nach einer kurzen Pause am Rollhockeystadion des RHC Aufbau Böhlitz-Ehrenberg e.V., wo gerade ein ziemlich cooles Bikepolo-Turnier stattfindet, geht es weiter. Wir laufen durch den dichten Wald, auf dessen Weg wir gelegentlich über Stämme steigen oder uns unter umgestürzten Stämmen hindurchbücken müssen. Ab und zu gibt es kleine Regenschauer, aber unter dem Blätterdach sind wir gut geschützt. Dass die Vögel ihre gesangliche Aktivität mittlerweile stark reduziert haben, merken wir deutlich. Dennoch ist es nicht still, und so können wir noch Schwanzmeisen, Kleiber, Rotkehlchen und Buchfinken vernehmen. Ein Grauschnäpper posiert sogar singend für die Kamera.
Wir kommen an einem kleinen Aussichtspunkt an, wo sich der Blick auf eine der Lachen öffnet. Blässhuhn und Kormoran beäugen uns gleichfalls zurück. Wir sind fasziniert, als wir den Eingang zu einem aktiven Hornissennest in einer kleinen Baumhöhle entdecken. Die großen friedlichen Hautflügler steuern ihre Behausung mit pendelnden Bewegungen an, ziemlich gemütlich und ohne Eile. Es ist schön zu sehen, dass sich sowohl Menschen als auch Insekten entspannt und sorgenlos in dieser Situation verhalten – viele Menschen fürchten sich leider vor den eigentlich friedlichen Brummern.

Wir treten kurz aus dem Wald und werfen einen Blick auf die Neue Luppe (samt frisch geschlüpfter Stockentenküken mit Muttertier – eine ganz schön späte Brut), bevor wir den Rückweg zur Deponie antreten. Beim vorigen Aussichtspunkt zeigt uns der Kormoran, was uns auf unserem Heimweg in dreifacher Heftigkeit bevorsteht: Regen! Unter den Bäumen haben wir gar nicht richtig bemerkt, wie die Schauer zugenommen haben. Das bekommen wir nun zu spüren, als wir den Wald verlassen. Kapuzen werden aufgesetzt und Regenschirme aufgespannt, die Kameras sicher vor Nässe verstaut. Während wir uns unter eine Baumgruppe flüchten, meldet sich die einzige Blaumeise des Tages zu Wort – huch, die steht ja noch gar nicht auf der Liste! Wir machen es wie die Vögel und verziehen uns, werden dabei vermutlich nur viel nasser als sie. Aber wir schätzen uns glücklich, denn wir sind dem Regen bis zum Ende unseres Treffens entkommen. Bis zum nächsten Jahr, Böhlitz-Ehrenberg! ☔️

Artenliste
- Großmöwe, unbestimmt



































