Oktober 2026: EuroBirdwatch an der Kiesgrube Rehbach
An einem leicht vernebelten Morgen geht es für den Birding-Treff wie schon im letzten Oktober zur Kiesgrube Rehbach. Es ist Feiertag und unser Monatstermin fällt mit dem Aktionstag EuroBirdwatch zusammen: Anlass genug, den Blick über das Wasser schweifen zu lassen und vielleicht den einen oder anderen hier rastenden oder durchziehenden Vogel zu beobachten. Die Anreise an die Kleine-Schwester-Grube von Cossi und Zwenkauer See ist heute etwas länger als üblich. Einige Autos sammeln sich am Straßenrand, andere haben sich auch aufs Fahrrad geschwungen. Wieder einmal hat unsere Gruppe eine stattliche Größe – wir sind 42 Leute, darunter auch jede Menge Neugierige, die zum erste Mal dabei sind.

Nach kurzer Einführung kann es dann endlich losgehen – aber typisch, nach wenigen Metern bleiben wir schon wieder stehen. Wie sollte es auch anders sein? Die ersten Sichtungen: drei Fasane auf offenem Feld, wo auch einige Bachstelzen herumtrippeln. Durch ihre "tsli-WITT"-Rufe können wir sie umso besser lokalisieren. Die Bachstelze ist ein Teilzieher, wobei mitteleuropäische Populationen meist Zugvögel sind, die im Winter in wärmere Regionen fliegen, während einige Exemplare zunehmend vor Ort überwintern. Wir hoffen ganz fest, dass uns hier einige auch im Winter erfreuen werden. Den Start in den Tag versüßt uns auch ein Trupp Schwanzmeisen. Dann biegen wir ab und steuern auf die Kiesgrube zu, an deren Ostseite wir heute entlang gehen wollen.

Scheinbar sind wir aber nicht die einzigen, die es heute trotz des trüben Wetters hierher verschlagen hat. Für Hunde-Gassi-Runden scheint das Areal sehr beliebt zu sein – die gegenseitigen Hinweise auf Hinterlassenschaften begleiten uns den ganzen Vormittag. Auch müssen wir eine stattliche Gruppe Gravelbiker*innen durchlassen, die überraschend auf dem schmalen Wiesenpfad wie aus dem Nichts erscheinen. Danach kann es weitergehen und der Untergrund wird sandig, ein großes Feld von gelben Nachtkerzen und Greiskraut führt uns zum ersten freien Blick aufs Wasser. Die zahlreichen Windkraftwerke haben heute ihre Köpfe wortwörtlich in den Wolken. Zeit, die Spektive aufzubauen und für eine kurze Erklärung zu den Zug- und Wintergästen, die wir hier zu Gesicht bekommen können. Wir sehen Haubentaucher und einige Gänsearten, teils ziemlich weit entfernt. Besonders die vielen Grau- und Nilgänse werden uns noch einige Stunden begleiten. Wir verweilen etwas, werfen einen Blick durchs Spektiv (da sieht man doch immer wieder einen großen Fisch!) und schauen noch kurz an den Spülsaum. Dort entdecken wir die Federn von hauptsächlich (Lach-)Möwen und Nilgänsen, die sich an der Kiesgrube zum Mausern aufhalten.

Weiter geht es auf einen höher gelegenen Abschnitt entlang der Grube, von dort können wir noch besser aufs Wasser schauen. Dorthin begleitet uns ein Buntspecht, den man über längere Zeit wunderbar beobachten kann, und eine Kohlmeise, die nochmal ihren Gesang zum Besten gibt – zum Herbst ertönen häufig noch ziemlich frühlingshafte Töne. Auch etwas weiter vom Ufer weg bekommen wir jetzt Einiges zu sehen. Auf dem von Wiesen gesäumten Weg sehen wir eine, später zwei Rostgänse, aus ihren hunderten Verwandten hervorstechen. Wenn man sie einmal entdeckt hat!

Für Aufregung sorgen auch drei vorbeifliegende Brachvögel und zwei auffliegende Bekassinen. Zudem hören wir Rohrammer und Heckenbraunelle.

Jetzt treffen fast minütlich größere Trupps von Richtung Norden ein (gibt es da wohl was zu futtern?), es sind Grau- und Nilgänse. Letztere sind kontrastreicher befiedert, was uns bei den nebligen Bedingungen optisch entgegenkommt. Auch akustisch schaffen die zahlreichen Gänse eine tolle Atmosphäre. Wechseln sie aus ihrer Formation in den Landeanflug, sieht das oft ziemlich abenteuerlich aus.

Inzwischen hat sich die Sonne etwas mehr durchgesetzt und in unseren Jacken wird es doch recht warm. Auch die Windräder und die Kiesbagger sind aus der Watte aufgetaucht. Wir erreichen das Nordufer der Grube, von wo aus man auch die Dorfkirche des namensgebenden Örtchens Rehbach gut sieht. An den Abbruchkanten sehen wir die zahlreichen Bruthöhlen der Uferschwalben, die aber schon längst abgedüst sind. Von hier oben schauen wir nochmal auf die Gänse, die es sich im Wasser und auf den zwei kleinen Inseln bequem gemacht haben. Und das hat sich gelohnt, denn wir bekommen sowohl eine Weißwangengans als auch mehrere Saatgänse (spontan betitelt sie jemand als eine „edlere Graugans“) zu sehen. Spannend daran ist, dass wir hier letztes Jahr ebenfalls genau eine Weißwangengans gesehen haben – das ist heute doch bestimmt dieselbe?
Wir wollen so langsam den Rückweg antreten, doch die Spektive kommen nochmal zum Einsatz. Wir gehen einem Hinweis nach und entdecken auf einer anderen Uferseite ein prominent hockendes Schwarzkehlchen (dem wir auf unserem Rückweg nochmal begegnen werden).

Aufhören, wenn’s am Schönsten ist, sagen wir – die 12 Uhr sind da schon überschritten – und drehen um. Ein gelungener Oktober-Treff mit einigen schönen Sichtungen. Wir sagen: Bis bald, Kiesgrube Rehbach!
Artenliste
- 1
- 1
- 2
- ≥15
- 1
- 2
- 3
- 1
- 1
- ~64
- 3
- ≥11
- ≥8
- 2
- 2
- 1
- 2
- 2
- 1
- 1
- ≥22
- 1
- 5
- 1
- 1
- 1
- Großmöwe, unbestimmt





































